Unsere Route

Warten, bis Karte sich öffnet (kann einige Sekunden dauern)... das Zelt zeigt unseren letzten Standort.

Wir freuen uns auf einen Blog-Eintrag von Euch:

Der Bericht

West Yellowstone - Cody (04.07.2024 bis 12.07.2024)


Das waren ein paar ganz tolle Tage im Yellowstone National Park. Aber zuerst nochmals zurück nach West Yellowstone, wo wir den Amerikanischen Nationalfeiertag, den 4. Juli, verbrachten. Natürlich durfte da die typische Parade nicht fehlen. Zudem gab es ein tolles Country-Konzert im Stadt-Park und zum Abschluss ein Feuerwerk. Die Parade war wie erwartet etwas schräg und laut, aber für uns durchaus unterhaltend. Auf Empfehlung von Larry und weiteren Velofahrern haben wir unsere Route ab West Yellowstone umgeplant. Aufgrund des starken Verkehrs wurde uns angeraten, den Grand Teton National Park auszulassen, was wir mit doch etwas Wehmut gemacht haben. Zudem gab es im Canyon Village im Yellowstone N.P. eine Schiesserei mit nachfolgender Schliessung des Campgrounds, was uns nochmals zu einer Routenanpassung zwang. So sind wir dann von Westen her in den Yellowstone Park reingefahren und wurden da bereits von einer kleinen Bisonherde begrüsst. Pünktlich auf unsere Tage im Park, wo wir wieder konstant auf einer Höhe von über 2'000 MüM campierten, wurde das Wetter wärmer und die Sonne schien prachtvoll. Aber trotzdem wurde es in den Nächten doch wieder kalt und ich musste alle Schichten montieren, die zur Verfügung standen. Natürlich haben wir auch bei den verschiedenen Geysiren Halt gemacht. Beim Yellowstone-Gebiet handelt es sich ja um einen Supervulkan und das grösste Geysir-Gebiet der Welt. Die strahlende Sonne hat uns ermöglicht, die intensiven Farben der Geysirbecken in tollen Fotos festzuhalten. Auch wenn Martin kein Fan dieser natürlichen Springbrunnen ist, kam auch ihm manchmal ein ‘schön’ über die Lippen… Von Bärensichtungen können wir leider nicht berichten, 2x knapp verpasst. Aber wir haben doch ein paar ganz schöne Tierszenen beobachten können: spielende und springende jungen Bisons, einen Koyoten bei der Jagd seines Frühstücks (ein Streifenhörnchen hats erwischt) und riesige Hirsch-Bullen auf unserem Campground. Und einen klaren Vorteil hat das Velofahren in einem viel besuchten Nationalpark: wir können an allen stehenden Kolonnen vorbei fahren und müssen nicht auf frei werdende Parkplätze warten. Eine Hammer-Etappe hatten wir dann bei der Park-Ausfahrt Richtung Osten bis Cody. Praktisch kein Verkehr und eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, unter anderem dem Shoshone River entlang durch das Wapiti Valley. Mit dem Sylvan Pass auf 2'600 MüM haben wir auch den bisher höchsten Punkt unserer Reise überquert. Und wieder eine hilfsbereite Person angetroffen: Marilyn, vom Park Info-Center, öffnete uns ein Gittertor und liess uns eine eigentlich abgesperrte Strasse fahren, damit wir nicht durch die Tunnels mussten. Und dann kamen wir in Cody an (benannt nach William Cody, genannt Buffalo Bill) und landeten mitten im wilden Westen. Nebst einer Wild-West-Show auf der Strasse haben wir auch das örtliche Rodeo besucht. Und ich habe mit ‘Norman’ eine alternative Fortbewegung ausprobiert… Die nächsten Tage stehen im Zeichen von steigenden Temperaturen. Es wird bis 40 Grad und viele Höhenmeter sind angesagt.

Christa

Missoula - West Yellowstone (26.06.2024 bis 04.07.2024)


Von Missoula gings erst einmal rund 140 km südlich. Die erste Hälfte bis Hamilton war stark vom Auto- und Lastwagenverkehr befahren. Glücklicherweise hatte es auf dieser Strecke aber einen separaten, von der Hauptstrasse abgetrennten Radstreifen. Sehr ungewöhnlich für diese Gegend, aber super für uns! Dabei kamen wir vorbei an Darby, einer kleinen Stadt, wie in einem Western. Holzhäuser und Saloons sind hier noch an der Tagesordnung. Hier wird im Übrigen die Serie Yellowstone mit Kevin Costner gedreht, welche auf Netflix läuft. Natürlich wollte Christa auch die im Film vorkommende «Yellowstone-Range» besuchen oder mindestens abknipsen. Aber nix wars, alles weiträumig abgesperrt. Die Gegend passt perfekt für einen Cowboy-Film. Alles sieht hier wie im Wilden Westen aus. Teilweise etwas ausgeleiert, aber mit viel Charme. So auch die ehemalige Goldgräberstadt Virginia City. Das grosse Goldfieber dauerte hier von 1863 bis 1875. Überall sieht man noch heute Kiesberge aufgetürmt, die Überreste des durch die Gold-Dredges durchgepflügten Bodens. Die riesigen, verrosteten Dredges findet man noch heute am Strassenrand liegen. In Virgina City kann man noch viele ursprüngliche Häuser von innen besichtigen. Auf kleinen Tafeln sind jeweils die Geschichten der ehemaligen Eigentümer zu lesen. Spannend… Für all jene, die es nicht bereits auf dem Höhenprofil gesehen haben: wir befinden uns stetig auf einer Höhe zwischen 1'000 und 2'200 M.ü.M. Wir haben in der Zwischenzeit schon einige Pässe überquert und die Temperaturen sind recht angenehm, so um 20 Grad. Ein nächtliches Gewitter hat unser neues Zelt auch schon einem Test unterzogen… mit Bravour überstanden 😊. Ach ja… zwei Highlights habe ich noch. In Jackson, Montana, ein Dorf mit einer Ausdehnung von rund 300 Meter Länge, kann man in einer heissen Quelle (Hot Springs) baden gehen. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Badeanlage ist optisch zwar etwas in die Jahre gekommen und würde bei uns wohl die behördlichen Auflagen nicht mehr erfüllen. Aber für unsere Muskeln war das Balsam und das Drumherum egal. Und dann war da noch Larry. Er ist seit vielen Jahren Host von Warmshowers und bietet vorbeiziehenden Radlern in seinem Haus jeweils eine warme Dusche und ein Bett oder einen Zeltplatz an. Natürlich alles gratis. Als er auf seinem Anwesen aber einmal rund 30 Velofahrer beherbergen musste (er konnte nicht Nein sagen), sagte ihm seine Frau, dass er etwas ändern müsse. Und so hat er vor sieben Jahren ein Projekt ins Leben gerufen, welches Radfahrern auf dem Gelände der Stadt Dillon einen Platz zum Campieren gratis zur Verfügung stellt, inkl. warmer Dusche, Küche und kleiner Fahrradwerkstatt. Larry war es dann auch, welcher uns viele Tipps für unsere weitere Reise gegeben hat, insbesondere auch für unsere Durchfahrt durch den Yellowstone Nationalpark, in welchem aktuell Hochsaison ist. Diesen werden wir ab morgen besuchen, alles dazu im nächsten Bericht.

Martin

Columbia Falls - Missoula (22.06.2024 bis 26.06.2024)


Da sind wir schon wieder mit einem Bericht, der Nächste dauert dann etwas und folgt aus dem Yellowstone National Park. Heute ziehen wir einen Ruhetag ein in der Universitätsstadt Missoula. Seit wir in Columbia Falls abgefahren sind, geniessen wir die Sonne. Und so langsam wird auch meine Wohlfühltemperatur erreicht, herrlich! Kurz nach unserer Abfahrt posierte für uns, nein, wahrscheinlich vor allem für Martin, ein prächtiger Weisskopf Seeadler. Wir erleben Montana von seiner schönen Seite. Intensives Grün sowie weite Ebenen mit Hügeln und Farmen begleiten uns über viele Kilometer. Einmal mehr fasziniert uns dieser Staat. Was etwas weniger begeistert sind die lauten Pick Up’s und Camping Trailers. Obwohl wir viele Seitenstrassen fahren, gibt es natürlich immer wieder Abschnitte mit Verkehr. Bis jetzt empfinden wir die Autofahrer aber als sehr rücksichtsvoll. Was uns bis jetzt erstaunt, ist wie wenig politische Plakate es vor den Häusern hat, ist doch der Wahlkampf hier in vollem Gange. Unterwegs treffen wir wieder verschiedene Leute. Interessant ist J.B., der Farmer, mit dem wir im Niemandsland bei einer Tankstelle ins Gespräch kommen. Er ist 77 und erzählt uns von seiner Leidenschaft als Läufer. Drei Rennen à 100 Meilen ist er bereits gelaufen, nebenbei auch noch unzählige Marathons. Heute widmet er sich aber vor allem seinen Kühen und Hühnern und stellt sicher, dass diese nicht von Grizzlies oder Pumas gefressen werden. Bei der gleichen Tankstelle sticht auch ein ziemlich ramponiertes Auto hervor. Woher die vielen Einschusslöcher kommen, möchten wir nicht wissen. Einen ganz tollen Campingplatz finden wir am Seeley Lake. Unser Platz hat direkten Seeanstoss und Martin geniesst ein Bad im für mein Empfinden noch viel zu kalten See. Ein Lagerfeuer und ein feiner Znacht vom Grill runden diesen schönen Tag ab. Die Camping-Hosts bringen uns für die Nacht noch eine Bärenbox vorbei und weisen uns nochmals darauf hin, wirklich kein Essen im Zelt aufzubewahren. Wohl wurde dieses Jahr noch kein Bär auf dem Campingplatz gesichtet, aber es ist immer besser vorzubeugen und die Bären erst gar nicht in Versuchung zu führen. Hier in Missoula befindet sich der Hauptsitz der American Cycling Association. Natürlich haben wir uns auch in die ‘Hall of Fame’ aufnehmen lassen, mit original Schweizer Fahne.

Christa

Pincher Creek - Columbia Falls (16.06.2024 bis 22.06.2024)


Ich sitze wieder auf demselben «Campingplatz-Bänkli» in Columbia Falls wie auf unserer Radtour vor fünf Jahren und schreibe hier unseren Bericht. Bei gerade einmal 1 Grad und strömendem Regen sind wir zu dieser Woche gestartet und nun bei rund 25 Grad und Sonnenschein hier angekommen. Dank unserer guten Regenbekleidung konnte uns das anfänglich schlechte Wetter nicht allzu viel anhaben. Wir waren aber froh, bei der Kälte in ein warmes Hotelzimmer einchecken zu können und nicht wie andere auf dem lokalen Campingplatz von Waterton Village übernachten zu müssen. Dies umso mehr, als wir am nächsten Morgen mit Schnee aufgewacht sind. Aber auch diese Wetterkapriolen gingen vorbei und wir starteten guten Mutes Richtung Grenze USA. Im Niemandsland, fern von jeder Zivilisation, kam plötzlich ein Hund aus dem Gebüsch, freundlich dreinschauend und mit wedelndem Schwanz. Wir schienen ihm sympathisch zu sein und er beschloss, sich uns anzuschliessen. Und so begleitete er uns über mehrere Kilometer, von seinem «Herrchen» fehlte jede Spur. Wir versuchten ihn zu verscheuchen, aber keine Chance. Wir waren wohl zu sympathisch. In gefährlicher Manier jagte er vorbeifahrenden Autos nach oder versuchte diese durch waghalsige Manöver zu stoppen. «Maple 2», so haben wir ihn nachträglich benannt, suchte offensichtlich jemand, der ihn mitnimmt. Aber was tun, wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist? Kein Halsband, nix. In glücklicher Fügung konnten wir schliesslich das Fahrzeug einer Park-Rangerin stoppen und es gelang uns mit Würstchen aus unserem Proviant ihn in das Ranger-Auto zu locken. Nun wünschen wir «Maple 2» alles Gute und hoffen, dass er in gute Hände kommt… Der Grenzübertritt in der Folge verlief problemlos: Fingerabdrücke geben, Verbrecherfoto aufnehmen, Fragen zu unseren Plänen in den USA usw. Schliesslich aber wurden wir mit guten Wünschen in die USA eingelassen und sind jetzt in einer uns mehr oder weniger bekannten Gegend rund um den Glacier Nationalpark unterwegs. Wir waren bereits dreimal hier, aber noch nie im Teil von «Two Medicine». Grund genug also, einen Abstecher dahin zu machen. Und wir wurden nicht enttäuscht: Wunderbares Bergpanorama, kristallklare Seen und Mountain-Goats auf dem Campingplatz. Was will man mehr! Inzwischen sind wir viel bergab gefahren und am Fusse der Rockies angekommen. Hier geniessen wir die wärmeren Temperaturen und freuen uns, wenn wir am Morgen nicht erst das nächtliche Eis vom Camping-Bank abschaben müssen…

Martin

Calgary - Pincher Creek (09.06.2024 bis 16.06.2024)


Wow, das war vielleicht eine Startwoche. Aber alles der Reihe nach. Bei gutem Wetter sind wir in Calgary losgefahren. Bald merkten wir, es ist ein anderes Losfahren: einerseits starteten wir auf einer Höhe von 1'000 MüM, was kühlere Temperaturen und dünnere Luft als bei den vormaligen Touren bedeutete. Andererseits begrüsste uns in diesen ersten Tagen ein starker West-/Südwestwind, was wir uns eigentlich auch nicht gewöhnt waren 😉. Aber bereits nach zwei Tagen legten wir bei Kirsten und Lyle in Canmore einen ersten Ruhetag ein, besuchten von dort das Städtchen Banff und fuhren mit der Gondel zum Sulphur Mountain hoch. Wir genossen die tolle Gastfreundschaft von Kirsten und Lyle und freuten uns, von ihren unzähligen Veloabenteuern zu hören. Sie rieten uns dann auch, unsere ursprünglich geplante Route anzupassen. Und so fuhren wir wieder 25 Kilometer zurück und von dort über den 2'200 Meter hohen Highwood Pass. Dies ist der höchste, asphaltierte Passübergang Kanadas und war an diesem Tag noch gesperrt für die Autos. Toll! Nachts wurde es richtig kalt. Da auch unser neues Zelt noch keine integrierte Heizung hat, mussten wir auf unsere altbewährte Wärmeunterwäsche zurückgreifen. Drei Grizzly Bären (wovon eines mit einem Jungen) sind wir schon begegnet. Die Moose-Mama mit ihrem Jungen war leider zu schnell weg für ein Foto. Was für Highlights schon in der ersten Woche! Doch dann wurde es ruppig. Wir wollten 120 Kilometer auf ungeteerter Strasse durch das Hinterland fahren. Die ersten rund 60 Kilometern waren noch gut, doch dann hatten die Kanadier die glorreiche Idee, die Strasse neu einzukiesen. Mit unseren schmalen Pneus sanken wir bis fünf Zentimeter tief ein und kamen praktisch nicht mehr vorwärts. Und so war dann Velo schieben angesagt. Zum Glück nahm uns Truckfahrer Derek für rund 60 Kilometer mit. Jetzt geht es weiter auf feinem Asphalt.

Christa

Calgary (06.06.2024 bis 09.06.2024)


Gut geklebt ist die halbe Miete! Und so hat Christa unsere Kartonboxen für die Fahrräder und das Gepäck wieder einmal mit gefühlten zwei Rollen Klebebändern verstärkt. Resultat: Unser Gepäck kam an, wie in Zürich-Kloten aufgegeben. Alles perfekt und ohne Schaden! Somit hätten wir eigentlich die drei Nächte hier in Calgary auf zwei abkürzen können. Da wir aber in zwei Tagen eine Unterkunft in Canmore via warmshowers.org bei einem pensionierten Ehepaar reserviert haben, fahren wir nicht früher los und besichtigen heute nochmals das sympathische Calgary. Die Aussicht vom Calgary Tower war super. Und in der Ferne waren die Rocky Mountains zu sehen, welche wir in ein paar Tagen unter die Räder nehmen werden. Uns wird immer wieder nachgesagt, dass wir nach den geplanten 6'500 Kilometern wohl mit dicken Oberschenkeln nach Hause zurückkehren werden. Wir möchten diesem Mythos auf den Grund gehen und ich habe deshalb den Umfang meines linken Oberschenkels und meines linken Wädlis kurz vor der Abreise gemessen. Resultat: Oberschenkel = 550 mm / Wädli = 360 mm. Was werden wir ihn Washington DC messen? Ihr könnt uns bis Ende August Eure Schätzungen in der Kommentarspalte bekannt geben. Also werft bei den Fotos jeweils einen Blick auf meine Beine. Zu gewinnen gibt es immerhin Ruhm und Ehre!

PS: Den Bauchumfang von Christa haben wir vor Abfahrt auch gemessen, geben diesen aber hier nicht bekannt 😉.

Martin

Vorbereitung und Anreise nach Calgary (bis 06.06.2024)


Ja, schon bald sind wir wieder unterwegs. Und noch einmal wird uns die Route quer durch die USA führen. Wir geben es zu: uns fasziniert die Weite dieses Landes, die schönen National- und Naturparks, die faszinierende Tierwelt, die spontanen und aufgeschlossenen Amerikaner und natürlich die einmaligen Camping-Plätze (die Politik blenden wir aus!). Und das alles kann mit dem Velo erlebt werden... Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass das Zelt neu ist. Und dieses Mal haben wir auch noch eine optionale Route ab St. Louis (Missouri). Sollten wir Lust und die Kraft haben für Berge und Höhenmeter, nehmen wir die Variante südwärts Richtung Great Smoky Mountain National Park und die Appalachen Mountains. Als Vorbereitung hat Martin dieses Mal auch die Wurftechnik geübt, um eine Velotasche 'bärensicher' an einen Baum hängen zu können. Ausprobiert haben wir dies im Wald oberhalb von Bülach und wurden da natürlich gleich von Joggern und Spaziergängern nach dem Grund dieser Übung ausgefragt. Die Kommentare dazu lauteten 'neuer Tarzan?' (das war unser Nachbar Dominik) oder auch 'euch zuschauen ist ja wie im Kino...' oder dann 'vielleicht müsst ihr schon am Morgen mit Werfen anfangen...'. Auf jeden Fall haben wir das Check-In nun hinter uns und freuen uns auf die Reise Morgen nach Calgary.

Christa